Home
 
Über uns
Satzung
 
Literaturempfehlung
Veranstaltungen
 
Mitgliedschaft
 
Links
 
Kontakt
Impressum
 

 



Teil 2 der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung. Verfasst und recherchiert von Karl-Heinz Gerhard

 

Noch eine Kleinigkeit:

Wenn heute die Eintragungen in Adreß- und Telefonbüchern vollständig und ohne Fehl fein gegliedert ins Auge stechen, sieht man ihnen nicht an, daß die gefundene Gliederung und Ordnung das Werk der Kammer e.V. war, der es gelang, die Verlage davon zu überzeugen, daß den Berufsgrundsätzen der Vorrang vor wirtschaftlichen Erwägungen gebührt.

Die zonengleichen Rahmengesetze mußten mit Leben erfüllt werden, und das ging nur über Durchführungsverordnungen mit einem in den vier Ländern gleichen Inhalt. So geschah es, daß sich im Hause Dr. Engelmann in kurzen zeitlichen Abständen aus vier Ländern die Vertreter von drei Berufsgruppen und zwei Ministerien zusammenfanden. In enger Fühlungnahme mit dem Länderrat erlangten die erarbeiteten Texte bald den Rang einer Vorlage für die zonengleichen Durchführungsverordnungen. Behördliche Sonderzuteilungen an Wein und Brot bewahrten die Sitzungsteilnehmer vor der Hungersnot. Im Vergleich zum Werdegang der viel später zustandegekommenen Bundesgesetze (Wirtschaftsprüferordnung und Steuerberatungsgesetz) verliefen die Beratungen der zonengleichen Gesetze und Durchführungsverordnungen nahezu rasant.

Die Gesetze und ihre Durchführungsverordnungen waren mehr als 12 Jahre geltendes Recht. Sie waren Grundlage für Berufseintritt und Berufsausübung der Nachkriegsgeneration von Wirtschaftsprüfern, Bücherrevisoren und Steuerberatern in den Ländern der amerikanisch besetzten Zone. Viele Bestimmungen des Zonenrechts sind später in die neuen Berufsgesetze übernommen worden.


Kaum stand die DVO im Gesetzblatt, richtete die Kammer e.V. Vorbereitungslehrgänge für die Prüfung als Wirtschaftsprüfer, Bücherrevisor oder Steuerberater ein. Unter Mitwirkung von Mitgliedern der neu gebildeten Prüfungsausschüsse hatten diese Lehrgänge nicht die Erarbeitung des ganzen Prüfungsstoffes zum Ziel. Sie waren vielmehr ein Test des Wissensstandes und der Examensreife kurz vor der Prüfung, die zum ersten Mal 1949 abgenommen wurde.

Die Beziehungen zum Wirtschaftsministerium und zum Finanzministerium waren von Anfang an gut, was nicht ausschloß, daß es hin und wieder Meinungsverschieden-heiten gab, z.B. bei der Frage des Übergangs von Beamten in den Beruf des Steuerberaters. Zwischen den Beamten der Ministerien und den Repräsentanten der Kammer e.V. bestanden partnerschaftliche Kontakte.

Am 20.6.1948 trat die Währungsreform in Kraft, die für die Berufsangehörigen viele Probleme, vor allem im Hinblick auf die DM-Eröffnungsbilanz, mit sich brachte. Ende Juni 1948 zahlte die Kammer e.V. ihren Angestellten die Gehälter zum ersten Mal in Deutscher Mark.

Im Herbst 1948 erkrankte Dr. Engelmann. Von nun an leitete sein Stellvertreter Dr. Lipfert die Kammer, der am 16.12.1950 ihr Präsident wurde. Dr. Engelmann wurde Ehrenpräsident. Am 13.4.1954 erhielt er für seine großen Verdienste um den Beruf das Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, damals eine ganz seltene Ehrung. Er ist am 10.1.1959 verstorben.

Die Kammer e.V. wurde mehr und mehr zum Kristallisationspunkt aller Bestrebungen, die auf ein einheitliches Berufsrecht in der neuen Bundesrepublik gerichtet waren. Das angestrebte Recht sollte alle Berufsgruppen umfassen. Doch viele Köche hielten ihre Suppe am Kochen. Es gab "bizonale Tagungen" für Wirtschafts-prüfer und vereidigte Buchprüfer, einen "Achterausschuß" für Steuerberater und Helfer in Steuersachen. Das Institut der Wirtschaftsprüfer, der Bundesverband der vereidigten Buchprüfer, der Bundeshauptverband der Steuerberater und die Bundeszentrale der Verbände der Steuerberater und Helfer in Steuersachen sorgten für eine Vielfalt von Aktionen und Ideen. Überall mischte die Kammer e.V. mit, war sie doch damals eine der herausragenden Berufsorganisationen in jeder der ihr angeschlossenen Gruppen.

Aber noch bevor die bundesweit wirkenden größeren Verbände zur Besinnung kamen, bildete sich im Frühjahr 1949 im Südwesten Deutschlands eine Arbeitsgemeinschaft der Kammern, der auch die beiden Kammern für Wirtschafts- und Steuersachverständigen für Südbaden und Württemberg-Hohenzollern angehörten und deren Federführung bei der Kammer e.V. lag.

Mitglied der Arbeitsgemeinschaft war auch der Verband der Buch- und Steuersachverständigen in Württemberg-Baden e.V. Die Berufsorganisationen hatten den "Südweststaat" für ihre Bereiche vorweggenommen, der erst am 25.4.1952 nach vielen Geburtswehenentstand.

Doch frisch Gesellen, seid zur Hand: "Der Tübinger Entwurf" enstand. Er hieß offiziell "Entwurf eines Gesetzes über die wirtschaftsprüfenden sowie wirtschafts- und steuerberatenden Berufe (Wirtschaftstreuhandgesetz)". Der Entwurf trägt die Handschrift der Kammer e.V., wenngleich die Kammer ihn selbst nicht unterzeichnet hat. Dies mußte sie den Berufsgruppenbeiräten der vereidigten Bücherrevisoren und Steuerberater überlassen. Der Entwurf wurde im Oktober 1950 den Bundes- und Landesbehörden zugesandt. Die Zeit ist auch über den Tübinger Entwurf hinweggegangen. Die Bundesorganisationen und die Bundesministerien hatten das Sagen. Auch die Idee, daß einmal Kammern an die Stelle der Verbände treten würden, war, kaum daß sie ausgesprochen war, gestorben. Die Kammer e.V. ist am Tübinger Entwurf nicht zerbrochen. Ihr Alltag ging weiter bei Enthaltsamkeit auf dem Gebiet des Berufsrechts. Durch ihre Rundschreiben und durch Vorträge hat sie wesentlich zur Förderung der Mitglieder in ihren Arbeitsgebieten beigetragen. Sonderrundschreiben enthielten die Erlasse und Verfügungen der Finanzverwaltung.


Die Fachorgane der Bundesorganisationen, denen die Berufsorganisationen über die Kammer e.V. angeschlossen waren, vervollständigten die Unterrichtung der Mitglieder. So gab es:

für die WP: Der Wirtschaftsprüfer, Die Wirtschaftsprüfung
für die BR: Der Wirtschaftstreuhänder
für die StB: Mitteilungsblatt "Der Steuerberater"


Die Neuordnung des Berufsrechts durch die Wirtschaftsprüferordnung und das Steuerberatungsgesetz im Jahre 1961 brachte für die Kammer e.V. wesentliche Einschnitte in Gestalt und Tätigkeit, denen die Satzung Rechnung tragen mußte (beschlossen am 20.7.1962).


Folgende Änderungen sind bemerkenswert:

a) Neuformulierung des Aufgabengebiets
b) Aus der Kammer wird die Vereinigung
c) Keine Gliederung der Mitglieder nach Berufsgruppen
d) Erstreckung auf das ganze Land Baden-Württemberg
e) Im Namen wird aus dem vereidigten Bücherrevisor der vereidigte Buchprüfer.

Die fachliche Betreuung ihrer Mitglieder trat mehr als bisher in den Vordergrund.


Die seit 1949 alljährliche gesellschaftliche Veranstaltung wurde noch mehr als früher Anziehungspunkt für die Mitglieder und ihre Damen. Im Rückblick soll erwähnt werden, daß Oskar Heiler, Werner Veidt und das ganze Kabarett "Die Mausefalle" bei der Kammer e.V. gastiert haben.

Auf eine Initiative der Kammer e.V. ist die Gründung der Arbeitsgemeinschaft freier Berufe in Württernberg-Baden 1949 zurückzuführen. Der Sekretär der Kammer wurde Geschäftsführer der AfB. Die Geschäftsstelle der Kammer e.V. stand der Arbeitsgemeinschaft zur Verfügung. Die Arbeitsgemeinschaft war maßgeblich an der Gründung des Bundesverbandes der freien Berufe mitbeteiligt, in dessen ersten Vorstand WP/St13 Dr. Max Bansbach, Stuttgart, gewählt wurde (1949). Ohne das Wirken der württemberg-badischen Arbeitsgemeinschaft wäre es mit Sicherheit nicht gelungen, 1953 die Betriebsausgabenpauschale für freie Berufe und in dessen Gefolge den späteren § 18 Abs. 4 EStG durchzusetzen.

Nach Gründung der neuen Kammern im Gefolge der Wirtschaftsprüferordnung und des Steuerberatungsgesetzes wurde in Stuttgart auf Initiative der Kammer e.V. eine Geschäftsstellengemeinschaft gebildet, der unter einem Dach angehörten: Vereinigung der Wirtschaftsprüfer, vereidigten Buchprüfer und Steuerberater, Steuerberaterkammer Karlsruhe und Stuttgart (die einzige Kammer im Bundes- gebiet, die sich über mehrere Oberfinanzdirektionen erstreckte (eine Initiative der Kammer e.V.),

Wirtschaftsprüferkammer, Landesgeschäftsstelle, Institut der Wirtschaftsprüfer, Landesgeschäftsstelle, Bundesverband, der vereidigten Buchprüfer, Arbeitsgemeinschaft freier Berufe Baden-Württemberg, Arbeitsgemeinschaft beratender freier Berufe.

In den vielen Jahren ihres Wirkens hatte die Kammer e.V. eine kontinuierliche Führung, die heute unter Professor Dr. Schülen fortbesteht. Dr. Lipfert verstarb 1986 nach 34jähriger Amtszeit als Präsident. Ihre Geschäftsstelle ist zu Beginn des Jahres 1996 im Büro der Landesgeschäftsstelle der Wirtschaftsprüferkammer eingerichtet worden.

Als jetzte "Bastion" hat sich die Kammer e.V. als Gemeinschaftsorganisation der Wirtschaftsprüfer, vereidigten Buchprüfer und Steuerberater ihre Eigenheit bewahren können. Die Rückblende im Jubiläumsjahr führte in bewegte Zeiten zurück. Für die meisten ihrer Mitglieder war sie eine terra incognita. Für die Zukunft ist die neue Satzung richtungweisend: Der Verein dient der Wahrnehmung der Interessen der Berufsstände und der Förderung seiner Mitglieder. Sie hat sich insbesondere folgende Aufgaben zum Ziel gesetzt:

Die beratende Mitwirkung auf allen Gebieten der die Aufgaben der Berufsangehörigen berührenden Gesetzgebung; die Wahrnehmung von Interessen der in ihm
zusammengefaßten Berufsstände gegenüber Behörden und sonstigen Stellen; die wissenschaftliche und praktische Förderung des wirtschaftlichen Prüfungs-, Beratungs- und Treuhandwesens; die Weiterentwicklung einheitlicher Grundsätze für eine unabhängige eigenverantwortliche und fachgerechte Berufsausübung; die fachliche Förderung der Berufsangehörigen sowie des Berufsnachwuchses; die Pflege der Kollegialität und des Interessenausgleiches zwischen den Mitgliedern.

Verfasst von Karl-Heinz Gerhard
zum 50-jährigen Bestehen im Jahre 1996

| Seitenanfang | zurück |

TERMINE


Aktualisierte

Veranstaltungen

2012

mehr

 

INFORMATION


Alle aktuellen Rundschreiben können Sie auf den jeweiligen Seiten auch als PDF-Datei herunterladen.

Den Acrobat Reader erhalten Sie über diesen Link.

MITGLIEDSCHAFT

Treten auch Sie der Vereinigung bei.

Ihr Anmeldeformular (online / offline) finden Sie unter diesem

Link

 

 

| Home | Über uns | Satzung | Literaturempfehlung | Veranstaltungen |
| Mitgliedschaft | Links | Kontakt | Impressum |


© Vereinigung der Wirtschaftsprüfer, vereidigten Buchprüfer und Steuerberater in Baden-Württemberg e. V.